Windpark Mühlhausen 2: Wer verdient – und wer trägt das Risiko?
Mühlhausen/Landkreis Erlangen-Höchstadt. Nördlich von Mühlhausen entstehen zwei Windräder mit je 266,5 Metern Gesamthöhe, gebaut wird seit dem Spatenstich am 23. Juli 2026. Bürger können sich über die BEG Mühlhausen 2 beteiligen, die Reservierung bei der Anbieterin Wust – Wind & Sonne läuft noch bis Samstag, 31. Oktober 2026. In Aussicht gestellt werden Auszahlungen von 220 Prozent der Einlage bis 2047.
Steigerwald-News hat Verkaufsprospekt und Informationsblatt (Stand 26. August 2026) sowie den Genehmigungsbescheid des Landratsamts ausgewertet. Die Anleger bringen 15 Prozent des Geldes auf, tragen das Risiko aber zuerst. Allgemeine Risiken solcher Beteiligungen beschreibt der Beitrag zum Bürgerwindpark Burghaslach/Markt Taschendorf.
Einschätzung von Rainer Ott
Rainer Ott, Herausgeber von Steigerwald-News und Fachbuchautor, war mehr als 40 Jahre in der Finanzbranche tätig. Beteiligungen an Windparks kennt er, seit es sie in dieser Form gibt. Empfohlen hat er sie nie, denn er hält das Risiko für unkalkulierbar hoch. Bei der BEG Mühlhausen 2 stammen 85 Prozent des Geldes von der Bank, die vor den Anlegern bedient wird. Wer zeichnet, bindet sein Geld mehr als 21 Jahre, erstmals kündbar ist die Beteiligung zum 31. Dezember 2047. Das Informationsblatt warnt selbst vor dem „vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens“. Wer das nicht verkraften kann, sollte nicht zeichnen.
Weiterführende Artikel:
→ zu den Nachteilen von Windkraftanlagen
→ PFAS in Windkraftanlagen - Die unsichtbare Gefahr
Wer das Geld bekommt
Die Investition beträgt 23,31 Millionen Euro: 3,5 Millionen Euro von den Anlegern, 19,81 Millionen Euro Darlehen der Sparkasse Fürth. Laut Prospekt fließt das Geld so:
- Generalunternehmerin: Die WWS Projektbau GmbH & Co. KG erhält 22,09 Millionen Euro, das sind 94,77 Prozent der Investition. Sie wird für Planung, Genehmigung und Bau bezahlt, also bevor das erste Windrad Strom liefert. Wie viel davon Gewinn ist, nennt der Prospekt nicht.
- Anbieterin und Vertrieb: Wust – Wind & Sonne erhält 60.000 Euro für den Prospekt und bis 2047 rund 1,31 Millionen Euro für die Betriebsführung, der Vertrieb 35.000 Euro Provision.
- Bank: Die Sparkasse Fürth bekommt Zinsen, allein 2029 sind es 742.576 Euro.
- Region: Grundstückseigentümer erhalten 225.000 bis 254.000 Euro Pacht im Jahr, Gemeinden im Umkreis von 2,5 Kilometern sollen 49.977 Euro im Jahr bekommen. Der Vertrag mit den Gemeinden ist laut Prospekt noch nicht abgeschlossen.
Anbieterin, Generalunternehmerin, Betriebsführerin, Komplementärin und Vertrieb sind personell verbunden. Der Prospekt schreibt selbst: „Wegen der Personenidentität von Erich Wust, Nadine Paulus, Stefan Paulus und Dr. Bernd Wust als Funktionsträger bestehen im Hinblick auf die Emittentin Verflechtungstatbestände in rechtlicher, wirtschaftlicher und personeller Art.“
Wer das Risiko trägt
Die Rückzahlung des Anlegerkapitals ist laut Prospekt gegenüber der Bank „nachrangig zu bedienen“: erst bekommt die Bank ihr Geld, dann die Anleger. Gerät der Park in Schieflage, darf die Bank die Darlehen kündigen und die Sicherheiten verwerten. Das Informationsblatt warnt vor dem „vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens“. Was das in Zahlen bedeutet:
- Spätes Geld: Erst die Auszahlung für 2041, gezahlt 2042, übersteigt die Einlage. Knapp 40 Prozent aller geplanten Auszahlungen liegen in den letzten vier Jahren, 2044 bis 2047 (eigene Rechnung).
- Dünne Kasse: 2029 bleiben nach Zinsen und Tilgung rund 40.700 Euro übrig, geplant sind aber 175.000 Euro Ausschüttung. Die Differenz von 134.299 Euro kommt aus dem Bankguthaben, bis 2035 jedes Jahr.
- Zins: Ein Prozentpunkt mehr kostet anfangs rund 198.000 Euro im Jahr, mehr als die gesamte Ausschüttung (eigene Rechnung). Die Zinssicherung ist „noch nicht verbindlich zugesagt“, die meisten Versicherungen waren bei Prospektaufstellung noch nicht abgeschlossen.
- Wind: Liegt der Strom fünf Prozent unter der Prognose, sinkt die Gesamtauszahlung laut Prospektgrafik von 220 auf etwa 175 Prozent, bei 15 Prozent weniger auf knapp 90 Prozent, also unter die Einlage (abgelesen, daher ungefähr). Der Prospekt rechnet allerdings schon mit rund 17 Prozent weniger Ertrag, als die Windgutachten ergeben.
- Netz: Die Windräder speisen über Leitungen des Solarparks ein, der Vorrang hat. Eine „stets freie Einspeisemöglichkeit“ besteht nur für 801,80 und 2.448,32 Kilowatt, die Anlagen leisten je 6.800 Kilowatt. Im Prospekt steht: „die Netzanbindungsvoraussetzungen liegen noch nicht vor“.
Dazu kommt die Haftung. Der Prospekt: „Allerdings lebt die Haftung bis zur Höhe der Haftsumme wieder auf, wenn die Einlage zurückgewährt wird.“ Das sei „vorliegend planmäßig der Fall“, weil die Einlage über die Ausschüttungen zurückfließt. Wer Geld erhalten hat, kann im Ernstfall also bis zur Höhe seiner Einlage zur Wiedereinzahlung herangezogen werden. Wer den Anteil über einen Kredit finanziert, riskiert nach dem Prospekt die Privatinsolvenz.
Der Steigerwald zahlt mit
Der Standort liegt im Wald, laut Prospekt „nahe der östlichen Abgrenzung des Steigerwalds“. Mit 266,5 Metern sind die Anlagen mehr als 100 Meter höher als der Kölner Dom (157 Meter) und nur gut 26 Meter niedriger als der Nürnberger Fernmeldeturm (292,8 Meter). Der Park wächst von vier auf sechs Anlagen. Als Wust die Pläne 2020 vorstellte, war laut nordbayern.de noch von einem Windrad mit höchstens 250 Metern die Rede.
Die Genehmigungsbehörde geht selbst von einer Beeinträchtigung aus: Der Bescheid setzt 102.418 Euro Ersatzzahlung an den Bayerischen Naturschutzfonds in München fest, als „Kompensation der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes“. Das sind weniger als ein halbes Prozent der Investitionssumme (eigene Rechnung). Dazu werden 0,525 Hektar Wald dauerhaft und 2,36 Hektar vorübergehend gerodet.
Auf ihrer Projektseite wirbt die Anbieterin, neue Anlagen „blinken und leuchten nachts nicht mehr“. Der Bescheid verlangt die bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung aber nur, „sofern luftfahrtrechtliche Belange keinen Versagungsgrund darstellen“. Erich Wust schreibt im Vorwort des Prospekts: „Windräder sind weithin sichtbar und verändern das Landschaftsbild. Die Diskussionen darüber sind kontrovers und emotional.“
Fragen vor der Zeichnung
- Wie setzt sich die Vergütung der Generalunternehmerin von 22,09 Millionen Euro zusammen, und wie viel davon ist Gewinn?
- Wann wird die Zinssicherung abgeschlossen, und zu welchem Zins?
- Was ist mit den fehlenden Netzanbindungsvoraussetzungen gemeint?
- Wie haben sich frühere Projekte im Vergleich zur Prognose entwickelt? Einen Soll-Ist-Vergleich hat die Redaktion im Prospekt nicht gefunden.
- Wurde gegen den Genehmigungsbescheid geklagt?
Der Beitrag ersetzt keine Anlageberatung.
Quellen
- Verkaufsprospekt BEG Mühlhausen 2 GmbH & Co. KG (Stand 26. August 2026)
- Vermögensanlagen-Informationsblatt BEG Mühlhausen 2
- Genehmigungsbescheid des Landratsamts Erlangen-Höchstadt vom 25. November 2025
- Projektseite Bürgerwindpark Mühlhausen 2 (Wust – Wind & Sonne)
- nordbayern.de: Bürgerenergiepark – Stiller Kraftprotz in Mühlhausen (3. Juli 2020)
- Wikipedia: Fernmeldeturm Nürnberg
(Quelle: Verkaufsprospekt und Informationsblatt der BEG Mühlhausen 2 GmbH & Co. KG, Genehmigungsbescheid des Landratsamts Erlangen-Höchstadt, Projektseite von Wust – Wind & Sonne, nordbayern.de)
Ihre Kunden lesen Steigerwald-News.
Machen Sie Ihr Unternehmen dort sichtbar, wo Menschen aus der Region täglich Nachrichten, Veranstaltungen und Informationen entdecken.
Werbemöglichkeiten ansehen →.
