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Gitarrenstreit mit internationaler Tragweite: Thomann aus Treppendorf fordert Klarheit

Treppendorf. Ein kleines Dorf im Steigerwald steht plötzlich im Mittelpunkt eines Rechtsstreits, den Gitarristen und Hersteller weit über Deutschland hinaus verfolgen. Das Musikhaus Thomann aus Treppendorf bei Burgebrach liefert sich mit dem US-Hersteller Fender eine juristische Auseinandersetzung um die bekannte Korpusform der Stratocaster.

Dabei geht es längst nicht nur um zwei Unternehmen. Im Kern steht die Frage, wie weit Fender urheberrechtlichen Schutz für die charakteristische Form der Stratocaster beanspruchen kann – und welche Folgen dies für andere Hersteller und Händler haben könnte.

Ein Urteil bringt die Gitarrenbranche in Bewegung

Ausgangspunkt ist eine Entscheidung des Landgerichts Düsseldorf vom 22. Dezember 2025. In dem Verfahren ging Fender gegen ein chinesisches Unternehmen vor, das bestimmte E-Gitarren auch nach Deutschland angeboten hatte. Das Gericht untersagte dem Unternehmen den Vertrieb der konkret beanstandeten Instrumente in Deutschland und erkannte auf Grundlage des dortigen Sachvortrags einen urheberrechtlichen Schutz der Stratocaster-Korpusgestaltung an.

Für die weitere Diskussion ist allerdings ein Detail entscheidend: Es handelte sich um ein Versäumnisurteil. Die beklagte Firma hatte gegenüber dem Gericht weder rechtzeitig ihre Verteidigungsbereitschaft angezeigt noch auf die Klage geantwortet. Nach der Zivilprozessordnung wurde deshalb der entsprechende Tatsachenvortrag der Klägerseite als zugestanden behandelt.

Das Urteil ist damit existent und darf keineswegs als bedeutungslos betrachtet werden. Die Argumente zweier aktiv streitender Parteien wurden in diesem Verfahren jedoch nicht in der Form gegeneinander abgewogen, wie dies bei einem vollständig geführten Rechtsstreit der Fall wäre.

Thomann will die Reichweite des Schutzes klären lassen

Genau an diesem Punkt wird es für den Steigerwald interessant.

Thomann gab im Juni bekannt, selbst rechtliche Schritte eingeleitet zu haben. Das Unternehmen möchte gerichtlich klären lassen, ob und in welchem Umfang die von Fender erhobenen Ansprüche tatsächlich bestehen. Auch die Thomann-Eigenmarke Harley Benton ist von der Auseinandersetzung betroffen.

Dabei stellt Thomann die Bedeutung Fenders oder der Stratocaster keineswegs infrage. Vielmehr betont das Unternehmen selbst die hohe Wertschätzung für Fender und die jahrzehntelange Zusammenarbeit. Gleichzeitig vertritt Thomann die Auffassung, dass die nun aufgeworfenen Fragen Auswirkungen auf Wettbewerb, Hersteller und die Vielfalt des Gitarrenmarktes haben können.

Aus Sicht des Unternehmens ist deshalb eine gerichtliche Klärung notwendig, bei der beide Seiten ihre Argumente vortragen können.

Das ist eine bemerkenswerte Situation: Aus Treppendorf heraus stellt sich eines der größten Musikhäuser der Welt einer Rechtsfrage, die einen erheblichen Teil der internationalen Gitarrenbranche beschäftigen könnte.

Inzwischen geht auch Fender gegen Thomann vor

Mittlerweile ist der Konflikt keine einseitige rechtliche Initiative mehr.

Fender reichte im Juli seinerseits Klage gegen Thomann beim Landgericht Düsseldorf ein. Nach Angaben des US-Unternehmens verletzen bestimmte Gitarren der Thomann-Marke Harley Benton die von Fender beanspruchten Rechte an der Stratocaster-Form. Reuters berichtete am 16. Juli über die Klage.

Fender betont dabei ebenfalls eine klare Position: Das Unternehmen sieht sich in der Verantwortung, sein geistiges Eigentum und eines seiner bekanntesten Designs zu schützen. Nach Fenders Darstellung gehe es nicht darum, Wettbewerb zu verhindern, sondern eigene schöpferische Leistungen gegenüber aus Sicht des Unternehmens zu ähnlichen Gestaltungen abzugrenzen.

Damit stehen sich zwei unterschiedliche Rechtsauffassungen gegenüber.

Welche davon sich durchsetzt, ist derzeit offen und muss gerichtlich geklärt werden.

Eine große Branchenfrage – mit Ausgangspunkt im Steigerwald

Gerade für unsere Region besitzt die Geschichte eine besondere Dimension.

Treppendorf liegt fernab der klassischen Zentren der internationalen Musikindustrie. Dennoch hat sich Thomann von hier aus zu einem der weltweit bedeutendsten Händler für Musikinstrumente entwickelt. Reuters bezeichnet das Unternehmen als einen der weltweit größten Musikinstrumentenhändler und zugleich als einen wichtigen Vertriebspartner von Fender.

Nun nutzt das Familienunternehmen seine Größe, um eine Frage gerichtlich überprüfen zu lassen, die auch für zahlreiche andere Marktteilnehmer relevant werden könnte.

Das Ergebnis steht noch nicht fest. Und genau deshalb sollte man weder Fender noch Thomann heute zum Gewinner erklären.

Fest steht hingegen: Ein Unternehmen aus dem Steigerwald sorgt dafür, dass eine für die Gitarrenbranche wichtige Rechtsfrage nicht nur diskutiert, sondern in einem streitigen Verfahren überprüft wird.

Dass ein international beachteter Konflikt zwischen zwei Schwergewichten der Musikwelt ausgerechnet auch in Treppendorf seinen Ausgangspunkt hat, zeigt einmal mehr, welche außergewöhnliche wirtschaftliche Bedeutung Thomann weit über die Grenzen Oberfrankens hinaus erreicht hat.

Stand: 15. August 2026. Die Angaben entsprechen dem zum Veröffentlichungszeitpunkt bekannten Sachstand. Bei laufenden Verfahren können sich Entwicklungen und Bewertungen kurzfristig ändern.

Quellen und weiterführende Informationen

Recherche- und Informationsstand: 15. August 2026.

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